Hier soll euch vorgestellt werden wie ihr mit euren PÀnz in der Gruppenstunde selbst Messer, bzw. Messergriffe bauen könnt.

  • Alter: ab Pfadfinderstufe
  • Zeitraum: 6 bis 7 Gruppenstunden
  • Kosten: bis ca. 20€ pro Gruppenkind (Klingen ca. 7 bis 13€, Passungen ca. 2€, Holz ca. 1,5€ pro Pers.)
  • Arbeitsmaterial: Epoxidharz, kleine Metallfeilen (Nadel- und SchlĂŒsselfeilen), Holzraspeln, normale Metallfeilen, Fuchsschwanz, (LochsĂ€ge), StahlsĂ€ge, LaubsĂ€ge mit Metall- und HolzsĂ€geblĂ€ttern, lange (Holz-)Bohrer Ø2 bis Ø4mm, (Stand-)Bohrmaschine, Schraubstock, Schnitzmesser, Schleifpapier, Panzertape, Stofflappen, Terpentin, (Kaltentfetter), Leinölfirnes
  • GruppengrĂ¶ĂŸe: Da viele Arbeitsschritte nötig sind und auch Werkzeug in ausreichender Menge verfĂŒgbar sein muss ist dies mit kleineren Gruppen leichter durchzufĂŒhren als mit mitgliedstarken Gruppen.

Alle_Messer_DachseDie selbstgemachten Messer der DachseWir haben mit den Dachsen Messer in der Gruppenstunde gebaut. Die ganze Zeit ĂŒber stand uns mein Bruder, der hobbymĂ€ĂŸig selber Messer baut, beratend zur Seite. Außerdem habe ich (Richard Maxein) mich seiner Fachliteratur bedient. Anhand unserer Erfahrungen schreibe ich diesen Artikel.

WICHTIG: Wer plant solche Messer selbst oder in der Gruppenstunde zu bauen dem sei geraten sich erst diesen Artikel aufmerksam durchzulesen. Das Bauen von Messern nimmt einige Zeit in Anspruch. Damit die Jugendlichen nicht auf der HĂ€lfte des Weges die Motivation verlieren sind einige Vorbereitungen und Arbeitsschritte der Leiter vorweg notwendig.

Vorbereitungen:

1. Interesse und Finanzierung abklÀren

Zeigt die HĂ€lfte bei dem Vorschlag schon wenig oder gar kein Interesse, sollte man das Thema wegen des großen Aufwandes zurĂŒckstellen. Die Kosten von bis zu 20€ pro Person können auch abschreckend wirken. Die Dachse, mit denen wir die Messer gebaut haben, zeigten zunĂ€chst Begeisterung. Um die Kosten etwas abzufangen haben wir zusammen beschlossen jedes Gruppenkind mit 5€ aus der Gruppenkasse zu entlasten.

2. Bestellkatalog erstellen

Verschiedene_KlingenVon den PĂ€nz ausgewĂ€hlte KlingenIch habe die Klingen von Nordisches Handwerk ausgewĂ€hlt und fĂŒr die PĂ€nz mit OpenOffice einen Bestellkatalog erstellt. AusgewĂ€hlt wurden nur Klingen die nicht grĂ¶ĂŸer als 10cm, Rostfrei und nicht teurer als 13€ waren. Bei manchen Klingen gab es bereits eine Passung als Zubehör (dazu spĂ€ter mehr). Aus diesen Klingen können sich die Kinder (und Leiter) eine sie ansprechende aussuchen.

Anmerkung: Es ist natĂŒrlich auch möglich einfach die gleiche Klinge fĂŒr alle zu besorgen. Das verringert den Aufwand beim Aussuchen und Bestellen erheblich. Jedoch waren wir der Ansicht, dass jeder seine persönlich ausgewĂ€hlte Klinge haben sollte.

3. Holz fĂŒr die Griffe besorgen

Im Prinzip geht es beim Messer bauen darum bereits fertigen Klingen mit Erl (oder auch Angel genannt) einen Griff zu verpassen und so sein individuelles Messer zu erschaffen. Der Griff wird aus Holz gemacht. Es ist möglich dazu Restholz oder Ă€hnliches zu verwenden. Es ist darauf zu achten, dass das Holz mindestens zwei Jahre lang abgelagert ist da es sonst spĂ€ter (auch als fertiger Griff) reißen kann. HolzkantelnHolzkanteln von oben nach unten: Ahorn, 2x Birne gedĂ€mpft, Esche und KirscheAuf Anraten meines Bruders haben wir Leiter uns dazu entschlossen Holz im Internet (Drechselkunst Kessler) zu bestellen. FĂŒr Griffe eignen sich Kanteln von 4x4cm gut. Das Holz ist bereits abgelagert und kann sofort bearbeitet werden.  Um den Jugendlichen etwas mehr Auswahl zu geben haben wir vier verschiedene Holzsorten bestellt: Ahorn, Birne gedĂ€mpft, Esche und Kirsche. Die Kanteln gibt es in unterschiedlichen LĂ€ngen. Ideal fĂŒr einen Griff sind 12 bis 13cm. Aus Kanten mit 40cm LĂ€nge lassen sich also drei Griffe zuschneiden. Die 4x4x40cm Kanteln kosten ca. 2,50 bis 3€.

Hinweis: Man sollte lieber etwas mehr Holz bestellen als notwendig, damit haben die PĂ€nz mehr Auswahl und man hat noch was in Reserve wenn was schief gehen sollte. Der Preis fĂŒr einen Griff beztrug so inklusive 5€ Versandkosten 1,25€ pro Person.

 Tipp: Bei Drechselkunst Kessler gibt es auch fertige Messergriffblöcke in den Maßen 3x4x12cm, was ideal ist. Diese sind mit 1,5€ bis 3€ pro GriffstĂŒck zwar teurer, jedoch entfĂ€llt viel Vorbereitungszeit beim Zuschneiden der Griffe.

A) Messer mit Griff aus einem StĂŒck

Wir wollten, dass unsere Messer Griffe aus einem HolzstĂŒck haben. Dies wirkt optisch etwas einfacher und bodenstĂ€ndiger als Messer mit Griffen aus mehreren (verschiedenen) StĂŒcken und der Griff ist z.B. durch Schnitzen leichter in Form zu bringen. Allerdings ist die Herstellung auch bedeutend schwerer, insbesondere das Bohren der GriffstĂŒcke. Daher beschreibe ich zunĂ€chst ausfĂŒhrlich wie man Messer aus einem StĂŒck herstellt und anschließend im Schnelldurchgang die Herstellung aus mehreren Holzteilen.

1. Griffe zuschneiden

GriffzuschnittGehobelte und zugeschnittende GriffstĂŒckeDie Kanteln werden in 12cm oder 13cm lange StĂŒcke geschnitten.
Um die Bauzeit der Messer zu verkĂŒrzen habe ich die Kanteln auf ein Maß von 3x3,5cm gehobelt und anschließend mit einer KreissĂ€ge in StĂŒcke geschnitten. Durch das Hobeln der Kanthölzer werden auch Macken in den OberflĂ€chen beseitigt und alle Seiten werden schön eben und parallel. Auch die Ecken der Kanteln wurden im Winkel von 45° um ca. 4mm abgehobelt, was spĂ€ter die Schnitzarbeit reduziert.

Tipp: 4x4cm Kanteln sind fĂŒr alle MessergrĂ¶ĂŸen ausreichend. Gegebenenfalls eine andere Holzsorte auswĂ€hlen falls 4x4cm Kanteln nicht mehr verfĂŒgbar sind. Die 4x4cm Kanteln muss man nur noch in StĂŒcke schneiden, was auch wĂ€hrend der Gruppenstunde problemlos möglich sein sollte. Da die OberflĂ€chen der Kanteln nicht immer ohne Macken sind sollte man nicht auf 3x3cm ausweichen. 5x5cm Kanteln sollte man jedoch auch nicht verwenden (wir hatten Esche und Birne in 5x5cm bestellt) da das viel zu groß ist. Dank der Hobel war das kein Problem, hat man aber keine Hobel sollte man die Finger von so großen Kanteln lassen!

2. Loch fĂŒr Erl durch Griff bohren

Durchgansloch_professionellDurchgangsloch nach einer professionellen MethodeJetzt bohrt man mit einem langen Bohrer das Langloch fĂŒr den Erl durch das HolzstĂŒck. Hierbei sind die geraden Seiten der GriffstĂŒcke besonders hilfreich. FĂŒr das Bohren der Löcher gibt es verschiedene Methoden die alle Vor- und Nachteile aufweisen. Bei allen Methoden zeichnet man sich erst den Querschnitt des Erls oben auf das GriffstĂŒck. Dieser ist meist rechteckig z.B. 2,7x15mm.

Professionele Methoden sind sehr zeitaufwendig und arbeitsintensiv, garantieren aber nach dem Verkleben eine sehr hohe Haltbarkeit. Bei einem im Vorfeld von mir gebautem "Testmesser" habe ich solch eine Methode ausprobiert und bin zu dem Schluss gekommen, dass sie fĂŒr die Gruppenstunde weniger geeignet ist. Daher beschreibe ich sie hier nicht. Wer aber Infos dazu haben will kann mich immer gerne Fragen.

Ich habe mich dazu entschieden Sacklöcher in den Griff zu bohren. ZunĂ€chst wird der Querschnitt des Erls auf die GriffoberflĂ€che gezeichnet. Dann mit einem dĂŒnnen sehr langen Bohrer zwei Löcher am oberen und unteren Teil des Rechtecks gebohrt. Um Zeit zu sparen, haben ich diese nicht im Winkel wie sich der Erl verjĂŒngt, sondern einfach mit einer Standbohrmaschine senkrecht nach unten gebohrt. Den Steg zwischen den beiden Löchern wird mit einem dicken Bohrer aufgebohrt. Sackloch_unsere_MethodeSackloch unsere Methode (Griff nach Bearbeitung)Ideal ist es wenn zwischen der dĂŒnnen oberen und unteren und der dicken Bohrung in der Mitte nur eine ganz dĂŒnne Wand stehen bleibt, die schnell weggefeilt werden kann. Diese Methode hat den Vorteil, dass sie optisch ansprechend ist, da das Ende des GriffstĂŒcks kein Loch hat. Sie kann relativ schnell durchgefĂŒhrt werden und stellt meiner Meinung nach einen guten Kompromiss fĂŒr die spĂ€tere Haltbarkeit dar. ZusĂ€tzlich kann man hier beim Verkleben mit kleinen Holzkeilen fĂŒr mehr StabilitĂ€t sorgen. Diese mĂŒssen aber zuvor genau angepasst werden da die Klinge, Keile und die Passung in einem Rutsch verklebt werden mĂŒssen und dabei die Keile nicht die Klinge blockieren dĂŒrfen. Sonst wĂŒrde hinterher ein Abstand zwischen Passung und Griff entstehen. Das Sackloch wurde etwa 1,5cm tiefer als der Erl bzw. so tief wie möglich gebohrt. Bzw. der Erl auf etwa 1,5cm kĂŒrzer als das Loch tief ist gekĂŒrzt. Grenzen fĂŒr die Tiefe des Sacklochs setzt die LĂ€nge des dĂŒnnen Bohrers fĂŒr das obere und untere Loch. Hier empfiehlt es sich ĂŒberlange Bohrer anzuschaffen. Diese Sacklöcher mĂŒssen in der Gruppenstunde (nur noch) mit Feilen und (wenn vorhanden) LochsĂ€gen an den Erl angepasst werden. Gelingt es die Löcher ganz sauber zu bohren und es verlĂ€uft kein Bohrer passen die Klingen auf Anhieb.

Zeitansatz: Bei vorbereiteten Bohrungen eine Gruppenstunde (1,5 Std.)

3.1. Fertige Passung zufeilen

Klinge_mit_Passungoben: Klinge mit Erl und Passung aus Neusilber, unten: Passung auf Klinge geschobenDie Passung ist im Prinzip eine ovale Metallscheibe mit einem Schlitz in der Mitte. Sie wird ĂŒber den Erl geschoben und sitzt zwischen eigentlicher Klinge (mit Schneide) und dem Holzgriff. Sie ist nicht nur Zierelement  sondern sorgt auch fĂŒr einen sauberen Übergang zwischen Klinge und Griff. FĂŒr manche Klingen kann man die entsprechende Passung direkt mitbestellen, oft in Messing oder Neusilber. Beides ist sehr hart und korrosionsbestĂ€ndig. Bei Mitbestellten fĂ€llt der Schlitz in der Mitte geringfĂŒgig zu eng aus. Mit einer kleinen Metallfeile (Nadel- oder SchlĂŒsselfeile) wird der Schlitz an den Erl angepasst. Ideal ist es, wenn die Passung spĂ€ter so auf dem Erl unter der Klinge sitzt, dass diese nicht wackeln oder rutschen kann.

Bei Klingen mit V-Passung ist es notwendich nicht die Passung sondern ein kleines StĂŒck des Erls anzupassen. Dies geht aber mit einer großen Metallfeile problemlos.

Tipp: Um Verletzungen beim Umgang mit der Klinge zu vermeiden sollte man diese zuvor mit reichlich Panzertape abkleben.

Zeitansatz: ca. 30min (Die Kinder die ein GriffstĂŒck mit besonders gut gebohrten Sackloch bekommen hatten, konnten Passung und Klinge bereits nach der 1. Gruppenstunde mit dem Griff montieren.) 

3.2. Passung selber machen

Bei Messern fĂŒr die es keine Passung zu kaufen gibt kann man diese auch selber herstellen. Das hat den Vorteil ,dass man die Passung gestalten kann wie man will, zum Beispiel mit einem Fingerschutz (Parierstange). Dazu nimmt man eine dĂŒnne Metallplatte und zeichnet sich darauf die Kontur der gewĂŒnschten Passung auf. Der Ansatz des Erls unter der Klinge wird ausgemessen und dann der entsprechende Schlitz aufgezeichnet. Nun bohrt man dort wo der Schlitz sitzt mit einem dĂŒnnen Bohrer ein Loch. Jetzt können Passung und Schlitz mit einer LaubsĂ€ge mit MetallsĂ€geblatt ausgeschnitten werden. Mit einer kleinen Metallfeile werden noch die RĂ€nder abgeschliffen und der Schlitz an den Erl angepasst.

Ich habee fĂŒr die Metallplatte zunĂ€chst eine 2mm dicke Messingplatte gewĂ€hlt. Beim Bau unserer Messer hat sich aber gezeigt, dass die Erstellung einer Passung mit der LaubsĂ€ge sehr zeitaufwendig ist, eine hohe Reserve an MetalllaubsĂ€geblĂ€ttern erfordert und die PĂ€nz dabei schnell die Motivation verlieren. Nur eine hatte die Ausdauer und die LaubsĂ€generfahrung um die Passung so auzusĂ€gen. Daher habe ich aus dem Baumarkt eine 1,5mm Aluplatte besorgt, die sich wesentlich schneller und einfacher bearbeiten ließ. FĂŒr ein weiteres Messerprojekt wĂŒrde ich aber eine 1mm Messing- oder Neusilberplatte auswĂ€hlen.

Zeitanatz: eine Gruppenstunde (1,5 Std.)

4. Erl bearbeiten

Vor dem Verkleben muss man den Erl anrauen damit eine höhere Griffigkeit zwischen dem Epoxidharz und dem Metall besteht. Erl-1Aufgerauter und mit kleinen Einschnitten versehener ErlDazu haben wir Metallfeilen verwendet. Um den Erl besser bearbeiten zu können sollte man die Klinge mit einer Schraubzwinge zwischen zwei HolzplĂ€ttchen auf den Tisch spannen, so dass der Erl ĂŒber die Tischkante herausragt. Hat man den Erl angeraut (zerkratzt) kann man noch zusĂ€tzlich mit einer MetallsĂ€ge kleine Zacken und Einschnitte in die Ober- und Unterseite des Erls sĂ€gen um die Griffigkeit weiter zu erhöhen. Bei vielen Klingen ist der Erl durchgehĂ€rtet und diese Aufgabe kann, je nach SĂ€ge und SĂ€geblatt, etwas mĂŒhsam sein. Mit einer großen BĂŒgelsĂ€ge ging es jedoch recht gut. GrĂ¶ĂŸtes Problem ist das schreckliche gequietsche, dass das SĂ€gen verursacht. Sehr gut und schnell (und verhĂ€ltnissmĂ€ĂŸig leise) geht es allerdings mit einem Dremel und einer kleinen Trennscheibe.

Zeitansatz: 40min

5. Griffe bearbeiten

Grobbearbeitet2Mit einer Raspel grob in Form gebrachtes GriffstĂŒckNun kann man mit der Bearbeitung und Gestaltung des Griffs beginnen. Hier sind im Prinzip keine Grenzen gesetzt. Erlaubt ist alles was GefĂ€llt (und gut in der Hand liegt). Es empfiehlt sich zuvor von seinem gewĂŒnschten Griff eine Skizze im Maßstab 1:1 zu machen. Daran kann man sich beim Bearbeiten orientieren. Zur Bearbeitung des Griffs eignen sich scharfe Schnitzmesser, Holzraspeln und Feilen. Man sollte daran denken oben am Griff nicht zu viel Holz abzutragen damit die Passung spĂ€ter nirgends ĂŒbesteht. Dazu am Besten vorher die Passung mit einem dicken Stift oben auf den Griff einzeichnen.

Zuerst bringt man den Griff mit einer Holzraspel in eine grobe Form. Sind genĂŒgend Schraubstöcke dafĂŒr vorhanden geht das relativ zĂŒgig.Griff_geschliffenFertig bearbeiteter Griff Sonst mĂŒssen einige warten bis die ersten fertig sind und derweil die Griffe zum Raspeln mit Schaubzwingen an den Tisch spannen.

Anschließend werden mit (Metall-)Feilen, Messern und groben Schleifpapier (Körnung 80 bis 120) die feinernen Konturen ausgearbeitet.

Wir haben uns dazu entschieden die Griffe erst zu bearbeten und dann die Klingen einzukleben, da die Klingen das Schnitzen des Griffs stark behindern. Allerdings besteht so die Gefahr  (besonders bei zu großen Sacklöschern im Griff), dass die Klingen beim Verkleben etwas schief aushĂ€rten, was leider auch bei einigen geschehen ist... Daher wĂŒrde ich das nĂ€chste mal erst die Klingen verkleben und dann die Griffe bearbeiten.

Zeitansatz: drei Gruppenstunden

6. Verkleben von Klinge und Griff

Erst muss der Erl entfettet werden. Dazu am besten Kaltentfetter verwenden. Wir haben Terpentin benutzt, was auch gut funktionierte. Nun wird die Passung ĂŒber den Erl geschoben, dann der Erl und die Bohrung mit 2-Komponenten-Epoxidharz (z.B. Uhu endfest) bestrichen und der Griff ĂŒber den Erl geschoben. Man sollte darauf achten Epoxidharz mit ausreichend langer Verarbeitungszeit zu verwenden und das MischungsverhĂ€ltnis genau zu beachten (meist 1:1). Zudem sollte man zum Beispiel keinen Uhu schnellfest auswĂ€hlen da dieser eine Verarbeitungszeit von nur 2 Minuten hat.

Vor der Weiterverarbeitung der Messer sollte der Kleber einige Zeit (bis zur nÀchsten Gruppenstunde) aushÀrten.

ACHTUNG Epoxidharz ist kein Prittstift! Beim Arbeiten ist Vorsicht geboten! Kontakt mit der Haut vermeiden, beim Arbeiten Handschuhe aus Nitril oder Butyl und Schutzbrille tragen. Wegwerfhandschuhe schĂŒtzen zwar vorm Verkleben der Finger jedoch nicht vor den schĂ€dlichen Substanzen im Kleber. Die RĂ€ume sollten wegen den DĂ€mpfen gut belĂŒftet werden.

Zeitansatz: eine Gruppenstunde (1,5 Std.)

7. Griffe abschleifen

Sind Griff und Erl miteinander verklebt und ausgehÀrtet, werden die Griffe mit Schleifpapier (Körnung 120 bis 200) abgeschliffen.

Zeitansatz: 30min.

8. Griffe einölen

Messer_lenTestmesser im LeinölfirnesbadZum Schluss wird der Griff konserviert. Man kann ihn bemalen, lackieren oder auch beizen. Ich habe mich fĂŒr Einölen mit Leinöl(firnis) entschieden.

Leinöl ist eine alte und natĂŒrliche Art Holz zu behandeln und zu konservieren. Es ist nicht giftig und kann sogar verzehrt werden. Es bildet beim Trocknen ein festes Harz (Linoxin genannt), schĂŒtzt so von innen nach außen, hebt die Maserung des Holzes hervor und gibt ihm einen etwas wĂ€rmeren Farbton. Es schĂŒtzt nicht vor der natĂŒrlichen Alterung des Holzes, jedoch z.B. vor Feuchtigkeit, Fett und Schmutz. Der anfĂ€ngliche nussige Geruch des Öls vergeht mit der Zeit.

NatĂŒrliches Leinöl benötigt zum trocken einige Monate, wenn es zuvor nicht aufgekocht wurde. Darum benutzt man am besten Leinölfirnis aus dem Baumarkt. Es ist bereits aufgekochetes Öl, welches oft mit ZusĂ€tzen zum schnelleren trocknen versehen ist.

Das Leinölfirnis wird im VerhĂ€ltnis 1:1 mit Balsamterpentin (oder Ersatzterpentin) gemischt. Jetzt den (von Staub befreiten) Messergriff mit einem Stofflappen reichlich einölen damit sich das Holz vollsaugen kann. Nun warten bis das Öl getrocknet ist und den Vorgang solange wiederholen bis das Holz gesĂ€ttigt ist. Dies dauert aber je nach Holz sehr lange.

Zeitansatz: Ein bis mehrere Tage, je nach Holzart und FĂ€rbung.

Isabells_Messer_AhornMesser mit Ahorngriff nach dem ÖlenACHTUNG Leinöl (und auch Leinölfirnes) neigt bei feiner ZerstĂ€ubung zur SelbstentzĂŒndung. Pinsel und Textilien immer mit Seife und reichlich Wasser gut auswaschen. Lappen ausgebreitet trocknen lassen! Niemals zusammengeknĂŒllt herumliegen lassen da so die beim Trocknen frei werdende ReaktionswĂ€rme die Gefahr vor SelbstentzĂŒndung erhöht. Alte Lappen nach der Benutzung am besten kontolliert verbrennen (Leinöl selbst ist aber sehr schwer entzĂŒndlich).

Jojos_Messer_KircheMesser mit Griff aus KirscheWegen der Gefahr vor SelbstentzĂŒndung und dem hohem Zeitaufwand eignet sich fĂŒr die Gruppenstunde eine andere Methode besser:

Das Messer mit der Klinge nach oben in ein Einmachglas stellen. Jetzt das Einmachlas mit dem Messer drin mit dem Leimölfirnis so hoch auffĂŒllen bis der Griff vollstĂ€ndig bedeckt ist. Einen Schlitz fĂŒr die Klinge in den Deckel des Einmachglases machen und das Glas verschließen. Jetzt lĂ€sst man das Messer einige Tage im Öl stehen. Wir haben, um Öl zu sparen, jeweils 4 bis 5 MesserTestmesser_EscheMesser mit Griff aus Esche in ein Glas gestellt und das Glas mit Pappe und Panzertape verschlossen.

Dann die Messer aus dem Glas nehmen und sorgfĂ€ltig mit einem Lappen abwischen. Lappen anschließend auswaschen oder verbrennen. Es darf kein Öl auf dem Messergriff zurĂŒck bleiben da es sonst eine Haut bildet. Der ölgetrĂ€nkte Griff ist nach ca. einer Woche verwendbar, jedoch erst nach mehreren Wochen vollstĂ€ndig getrocknet.

Ninas_Messer_BirneMesser mit Griff aus gedĂ€mpfter Birne vor dem AusschwitzenHinweis: Die Griffe aus Ahorn, Esche und Kirsche sahen nach dem Ölen sehr gut aus und die Maserung wurde etwas deutlicher. Die aus gedĂ€mpfter Birne wurden allerdings "kackbraun" und die Maserung ging völlig unter. Das liegt vermutlich daran, dass "gedĂ€mpft" bedeutet dass sie zuvor gerĂ€uchert wurden. Ich habe daher die Griffe auf TĂŒchern mehrmals lĂ€ngere Zeit in die Sonne gelegt bevor das Öl ausgetrocknet war und so hat es einen Teil des Öls wieder "ausgeschwitzt". Die Griffe wurden dann etwas heller und die Maserung kam wieder mehr zum Vorschein. So schön wie zuvor wurden sie jedoch nicht mehr.

Tipp: Wir haben bewusst das Firnes nicht mit Terpentin gemischt da dieses das Epoxidharz in den Messergriffen angreifen und auflösen könnte. Damit das Leinöl dĂŒnnflĂŒssiger wird, und gerade anfangs besser und tiefer in das Holz einzieht, die EinmachglĂ€ser mit den Messern in einen Topf mit heißem (nicht kochendem) Wasser stellen. Dadurch erwĂ€rmt sich das Öl, bekommt eine höhere ViskositĂ€t und kann tiefer in das Holz eindringen.

Zeitansatz: ca. 40min, Anschließend einfach nach ein paar Tagen zur gemeinsamen Entnahme der Griffe im Jugendheim treffen.

B) Griffe aus mehreren StĂŒcken

1. Griffe zuschneiden

Die 4x4 Kanteln werden nicht in 12 oder 13cm lange StĂŒcke geschnitten sondern z.B. in 4cm oder 3cm lange StĂŒcke. Jeder Griff besteht so spĂ€ter aus drei je 4cm bzw. vier je 3cm langen Teilen. Nach dem ZersĂ€gen mĂŒssen noch die einzelnen StĂŒcke mit der Ober- und Unterseite genau parallel plan geschliffen werden. Hierzu eignet sich eine Bandschleifmaschine, aber passt auf eure Finger auf! Wer es weniger gefĂ€hrlich mag, kann ein Blatt Schleifpapier ĂŒber ein ebenes Holzbrett zu spannen und darauf die StĂŒcke schleifen.

2. Loch fĂŒr Erl durch GriffstĂŒcke bohren

Schichtbau-1Bearbeiteter Erl mit Passung und erstem HolzstĂŒckZunĂ€chst legt man eine Reihenfolge der HolzstĂŒcke fĂŒr den Griff fest. Man kann natĂŒrlich den Griff aus verschiedenen Holzsorten herstellen. Auf jedem StĂŒck wird oben der Erlquerschnitt aufgezeichnet. Mit einem Bohrer oben und unten an dem aufezeichneten Erl durch das gesamte GriffstĂŒck bohren. Der Boher sollte wieder etwa die Dicke des Erls aufweisen. Den Steg zwischen den Bohrungen mit einer LaubsĂ€ge heraustrennen und mit kleinen Feilen das entstandene Langloch an den Erl anpassen. Da die StĂŒcke nicht sehr lang sind, benötigt man keine ĂŒberlangen Spezialbohrer und der Bohrer verlĂ€uft beim Bohren nicht so leicht. Dies ist wesentlich einfacher, als den Griff aus einem StĂŒck zu bauen. Durch die zuvor festgelege Reihenfolge der GriffstĂŒcke kann man jedes StĂŒck recht genau an den Erl anpassen. Das GriffstĂŒck in dem der Erl endet bekommt nur ein Sackloch. Alternativ wird der Erl an einer Schleifmaschine angespitzt und das EndstĂŒck wird mit einem Hammer aufgeschlagen. Will man das letzte StĂŒck aufschlagen sollte man dies sehr sorgfĂ€ltig tun. Genau so schnell wie man einen Nagel schief in das Holz treibt, so schlĂ€gt man auch schnell das Holz schief auf den Erl. Im schlimmsten Fall ensteht so trotz einer Zwischenschicht ein großer Spalt.

3. Passung und Erl bearbeiten

Wie oben beschrieben wird auch hier eine Passung hergestellt bzw. angepasst und der Erl aufgeraut, entfettet und evtl. angespitzt.

4. Griff verkleben

Schichtbau-2Teilverklebter GriffAuch hier wird erst die Passung auf die Klinge geschoben und dann ein GriffstĂŒck nach dem andern mit Zweikomponentenkleber bestrichen und aufgeschoben. Zwischen zwei GriffstĂŒcken wird ein flexibles ZwischenstĂŒck eingeklebt. Das ist erforderlich da man es nie schafft zwei GriffstĂŒcke so parallel plan zu schleifen, dass spĂ€ter kein Spalt entstehen wĂŒrde. Hier eignet sich eine dĂŒnne Scheibe Kork, getrocknete und geglĂ€ttete Baumrinde (z.B. Haselnuss, Erle, Birke) oder auch ein StĂŒck Leder.

Hat man alles zusammengesetzt werden die Passung, Griff- und ZwischenstĂŒcke mit Schichtbau-3Fertig mit Griff verklebtes Messerzwei Schraubzwingen verspannt und fest aneinander gepresst. Jetzt nochmal den Sitzt der Klinge ĂŒberprĂŒfen bevor der Kleber ausgehĂ€rtet ist. Soll das letzte StĂŒck aufgeschlagen werden empfielt es sich dies nach dem Verkleben der vorherigen StĂŒcke zu tun. NatĂŒrlich sollte man das letzte StĂŒck  ebenfalls erst mit Komponentenkleber bestreichen und dann aufschlagen. Zuvor folgt aber auch hier ein flexibles ZwischenstĂŒck das einen möglichen Spalt ausgleichen kann.

5. Griff bearbeiten und ölen

Schichtbau-4Die Schichten vor dem Ölen v.l.n.r.: Esche, Leder, Birkenrinde, Ahorn, Birkenrinde, Leder, Esche, Leder, EscheEin Nachteil der Mehr-Teil-Griff-Methode ist es, dass man den Griff erst nach dem Verkleben bearbeiten kann. (GeĂŒbte Messermacher können  den Griff auch auch zuerst herstellen und die Klinge nachdem die GriffstĂŒcke verklebt wurden einkleben, allerdings ist fĂŒr uns so die Gefahr zu groß das etwas schief geht.) Die Bearbeitung des Griffs erfolgt aber genau so wie oben beschrieben. Erst mit einer Raspel und anschließend mit Feilen, Messern und Schleifpapier. Die Arbeit ist jedoch durch die verschiedenen StĂŒcke, die evtl. aus unterschiedlich harten Hölzern bestehen etwas schwieriger. Zur Bearbeitung durch Schnitzen mit Messern ist diese Methode weniger geeignet als fĂŒr Griffe aus einem StĂŒck.

Zum Schluss werden die Messer wieder geölt oder anderweitig konserviert.